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Landwirtschaft

Weißstängeligkeit [Sclerotinia sclerotiorum]

Weißstängeligkeit

Synonym

Rapskrebs

Ausbreitung/ Übertragung

Der im Boden über 7 bis 10 Jahre in Form von Sklerotien (Dauerkörper) überdauernde Pilz kann die Pflanze an der Bodenoberfläche oder in den obersten Bodenschichten infizieren. Zur Keimung ist eine ausreichende Bodenfeuchte und –temperatur (7-11° C) nötig. Aus den Sklerotien treiben hellbraune, kleine, trompetenförmige Fruchtkörper aus, die Ascosporen freisetzen. Diese gelangen durch den Wind an die Rapsblätter und –stängel. Während der Rapsblüte keimt und sporuliert der Pilz. Dabei dienen die angefallenen Blütenblätter, die sich in den Blattachseln und Stängelgabelungen ansammeln als Nährboden. Zur Infektion werden Blattnässeperioden von 16 bis 24 Stunden, eine Luftfeuchtigkeit von 85% und Temperaturen zwischen 0 und 25° C benötigt. Warme und wechselfeuchte Witterung zur Rapsblüte stellt somit günstige Infektionsbedingungen dar. Eine direkte Infektion der Pflanze durch ein Myzel ist ebenfalls möglich, aber seltener. Dabei bildet sich das Myzel in der oberen Bodenschicht und infiziert Wurzeln und Stängelteile. Im Stängelinneren bildet sich zunächst ein Mycel aus, das sich dann zu Sklerotien verdichtet. Bei der Ernte fallen die Sklerotien mit den Ernteresten auf den Boden und können wieder neue Pflanzen infizieren.

Vorkommen

Raps vor allem auf küstennahen Standorten, Talsenken und geschützten Lagen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Großes Wirtspflanzenspektrum (über 360 zweikeimblättrige Pflanzenarten) zum Beispiel Sonnenblumen, Sellerie, Kopfsalat, Ackerbohnen, Hirtentäschel und Ackerhellerkraut.

Diagnose

An den Haupt- und Seitentrieben werden nach der Blüte längliche, zunächst einseitige, später stängelumfassende helle Flecken sichtbar. Der Befall breitet sich von den Blattachseln und Gabelungen aus. Die Flecken erscheinen fahlgelb bis weißlich mit einem gräulichen Zentrum. Rinde und Mark des Stängels werden durch den Pilz zertört, dadurch sterben die darüber liegenden Triebe und Schoten ab. Die befallenen Pflanzen sind durch den weißlichen Stängel gut von den grünen, gesunden Pflanzen zu unterscheiden. Im Stängelinneren sind hellgraue, später schwarze, unregelmäßig geformte Dauerfruchtkörper zu finden. Die Stängel sind bis auf wenig vorhandenes watteartiges Myzel hohl. Befallene Schoten sind fahlgelb und vertrocknen. In den Schoten finden sich zwischen den Körnern kleine Sklerotien.

Verwechseln kann man die Weißstängeligkeit bei beginnendem Stängelbefall mit dem Grauschimmel.

Bekämpfung

Vorbeugende ackerbauliche Maßnahmen

• 3 jährige Anbaupausen einhalten

• Unkrautbekämpfung über die gesamte Fruchtfolge (da breites Wirtsspektrum)

• Keine zu hohe Pflanzendichte

• Kalkstickstoffgaben zwischen Februar und Anfang April

• Nach der Ernte oder vor der Rapssaat: biologische Bekämpfung mit dem Pilzparasit Coniothyrium minitans möglich

Fungizidmaßnahmen

• Fungizideinsatz vom Blühbeginn bis zur Vollblüte (ES 61-65)

• Bei Mischungen mit einem Insektizid auf die Bienenungefährlichkeit (B4) achten

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