Ungräser in Getreide
Acker-Fuchsschwanz und weitere Ungräser
Acker-Fuchsschwanz und Weidelgräser gehören zu den hartnäckigsten Ungräsern, insbesondere im Anbau von Wintergetreide. Sie breiten sich schnell aus und können Erträge erheblich schmälern. Zunehmende Resistenzen und fehlende Wirkstoffe erschweren die Kontrolle zusätzlich.
Wer die wichtigsten Arten und Eigenschaften kennt, kann die richtigen Entscheidungen treffen – sei es für die Auswahl von Maßnahmen, das Timing oder die Priorisierung der Felder. Wissen hilft, Kontrolle über seine Felder zu behalten und gezielt gegen Acker-Fuchsschwanz & Co. vorzugehen.
Acker-Fuchsschwanz & Co.
Acker-Fuchsschwanz ist ein winterannuelles Süßgras, das sich über Samen vermehrt. Es keimt meist im Herbst und bevorzugt feuchte, schwere Böden. Eine Pflanze kann bis zu 600 Samen bilden. Acker-Fuchsschwanz ist konkurrenzstark im Wurzelbereich und hemmt die Keimung von Kulturpflanzen. Er fördert Lager, Mehltau und Mutterkorn und kann bereits bei 100 Ähren/m² zu 3–5 dt/ha Ertragsverlust führen. Bei einseitiger Herbizidanwendung entsteht rasch Resistenz – integriertes Management ist entscheidend.
Jedes Jahr zeigt sich: Acker-Fuchsschwanz ist ein Gegner, der im Feld keine Pause macht. Das Video zeigt, wie sich das Problem entwickelt und warum integrierte Strategien wichtiger sind denn je:
Acker-Fuchsschwanz - Ungrasprofil
Acker-Fuchsschwanz (Alopecurus myosuroides Huds.)
| Eigenschaft | Beschreibung |
|---|---|
| Herbizidresistenz | Gruppe 1 (ACCase TSR) und Gruppe 2 (ALS TSR), metabolisch |
| Laubblätter | schmal, scharfrandig und ohne Blattöhrchen |
| Blatthäutchen | lang, grob und unregelmäßig gefranst |
| Ähre | lang gestreckt schmal, mit zunehmender Reife rötlich gefärbt und an den Enden zugespitzt |
| Anzahl der Samen pro Pflanze | 200 – 400 doch je nach Standort teilweise wesentlich mehr |
| Samenfall | Juni bis August |
| Keimungszeitraum | September bis November (80%), März bis Mai (20%) |
| Keimtiefe | Bis zu 5 cm |
| Primäre Dormanz | Hängt von den Sommertemperaturen ab: heiß = geringe Dormanz, kalt = hohe Dormanz |
| Sekundäre Dormanz | Vorhanden |
| Samenvitalität | 1 - 5 Jahre |
| Keimungsfördernder Faktor | Licht |
| Jährlicher Samenrückgang bei Bodenbearbeitung | 68 % pro Jahr |
| Bodentyp | Wächst auf vielen Bodentypen, bevorzugt mittlere bis schwere, feuchten, nicht kalkarmen, jedoch nährstoffreichen Böden. |
| Auswirkungen | Konkurrenzstark und hohe Samenproduktion für folgende Jahre/Früchte; 10 Pflanzen/m² verursachen ca. 13 % Ertragsverlust im Getreide |
Biologie und ökologische Anpassung
Der Acker-Fuchsschwanz ist ein winterannuelles Süßgras, das seinen Lebenszyklus nahezu vollständig an den Herbst und Winteranbau angepasst hat. Die Vermehrung erfolgt ausschließlich generativ über Samen. Daraus ergibt sich, dass das Management der Samenproduktion und der Samenbank den zentralen biologischen Hebel in der Bekämpfung darstellt. Bereits geringe Pflanzenzahlen können durch eine hohe Samenproduktion zu einer massiven Anreicherung der Samenbank führen und langfristig den Bekämpfungsaufwand erheblich erhöhen.
In Bezug auf seine Standortansprüche bevorzugt Acker-Fuchsschwanz feuchte, schwere und gut wasserhaltende Böden. Charakteristisch ist seine hohe Toleranz gegenüber Staunässe, die ihn gegenüber vielen Kulturpflanzen, insbesondere Winterweizen und Winterraps, konkurrenzstärker macht. Eine funktionierende Dränage wirkt daher nicht nur indirekt über die Förderung der Kulturpflanze, sondern auch direkt bestandsreduzierend auf den Acker-Fuchsschwanz.
Genetisch ist der Acker-Fuchsschwanz als ausgeprägter Fremdbefruchter gekennzeichnet. Innerhalb eines Schlages treten meist zahlreiche Genotypen und Phänotypen gleichzeitig auf. Der Pollenflug über mehrere Meter führt zu einer kontinuierlichen Durchmischung der Populationen. Diese hohe genetische Variabilität stellt die Grundlage für eine schnelle Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen dar und begünstigt insbesondere die rasche Entwicklung von Herbizidresistenzen unter hohem Selektionsdruck.
Konkurrenzverhalten und Schadpotenzial
Im Wurzelraum zeigt der Acker-Fuchsschwanz eine außerordentlich hohe Konkurrenzkraft. Er nimmt Wasser und Nährstoffe frühzeitig auf und kann dadurch bereits im Herbst die Entwicklung der Kulturpflanze nachhaltig schwächen. Zusätzlich wurden allelopathische Effekte beschrieben, bei denen die Keimung benachbarter Pflanzen gehemmt wird. Oberirdisch ist der Acker-Fuchsschwanz zwar empfindlicher gegenüber starker Konkurrenz, zeigt jedoch in Bestandslücken ein extremes Bestockungsvermögen. Freistehende Pflanzen können aus oberirdischen Knoten weiter bestocken und sehr hohe Ährenzahlen ausbilden.
Die Samenproduktion ist entsprechend hoch. Unter durchschnittlichen Bedingungen werden etwa 600 Samen pro Pflanze gebildet, wobei in Abhängigkeit von Konkurrenzsituation und Standraum erhebliche Streuungen auftreten. In Extremfällen können einzelne Pflanzen mehrere hundert Ähren mit jeweils bis zu 100 Samen ausbilden. Diese enorme Reproduktionsleistung erklärt, warum bereits geringer Besatz ausreicht, um die Samenbank innerhalb eines Jahres massiv aufzufüllen.
Die Keimungsbiologie des Acker-Fuchsschwanzes ist eng an den Herbst gekoppelt. Etwa 80 % der Keimung erfolgen im Zeitraum September bis Oktober. Der Acker-Fuchsschwanz ist ein ausgeprägter Lichtkeimer, wobei bereits extrem kurze Lichtreize ausreichen, um die Keimung auszulösen. Die Hauptkeimung erfolgt aus Bodentiefen von etwa 2 bis 5 cm. Tiefer liegende Samen verbleiben zunächst in Keimruhe, können jedoch bei erneuter Verlagerung an die Oberfläche wieder keimfähig werden. Die optimale Keimtemperatur liegt zwischen 10 und 20 °C, wobei Keimung bereits ab etwa 2 °C möglich ist. Diese Eigenschaften erklären, warum Bodenbearbeitung sowohl fördernd als auch reduzierend wirken kann, abhängig von Zeitpunkt und Intensität.
Samenbank und langfristige Populationsdynamik
Die Samenbank des Acker-Fuchsschwanzes stellt das „Gedächtnis des Bodens“ dar. Auf schweren, feuchten Standorten können Samen fünf bis sieben Jahre keimfähig bleiben, in Einzelfällen sogar deutlich länger. Unter trockenen Lagerbedingungen wurde eine Lebensfähigkeit von über zehn Jahren beschrieben. Neben der Keimung tragen Fraß durch Vögel, Nager, Insekten und Regenwürmer sowie mikrobielle Zersetzungsprozesse zur Reduktion der Samenbank bei. Eine ungestörte Stoppelphase nach der Ernte fördert diese natürlichen Verluste und ist daher ein wichtiger Baustein im integrierten Management.
Herbizidresistenz als zentrales Problem
Der Acker-Fuchsschwanz gilt heute als das wichtigste herbizidresistente Ungras im europäischen Ackerbau. Bereits seit den 1980er Jahren werden in Deutschland resistente Biotypen nachgewiesen. Seitdem hat sich die Resistenzsituation dynamisch verschärft, wobei heute zunehmend multiple Resistenzen auftreten.
Grundsätzlich werden zwei Hauptformen der Herbizidresistenz unterschieden. Bei der Wirkortresistenz (Target Site Resistance, TSR) ist das Zielenzym des Herbizids genetisch verändert, sodass der Wirkstoff nicht mehr wirksam binden kann. Besonders betroffen sind ACCase Hemmer sowie ALS Hemmer. In der Praxis führt TSR häufig zu vollständigen Wirkungsverlusten, die weder durch Dosiserhöhungen noch durch Mischungen kompensiert werden können.
Die metabolische Resistenz (Non Target Site Resistance, NTSR) beruht auf einer erhöhten Entgiftungsleistung der Pflanze. Dabei können mehrere Wirkstoffgruppen gleichzeitig betroffen sein, einschließlich bodenwirksamer Herbizide. NTSR äußert sich oft zunächst in Teilwirkungen, die in der Praxis leicht übersehen werden, jedoch langfristig einen hohen Selektionsdruck auf die Population ausüben.
Ursachen der Resistenzentwicklung
Die Entwicklung und Ausbreitung von Resistenzen ist kein zufälliger Prozess, sondern das Ergebnis eines hohen und einseitigen Selektionsdrucks. Als zentrale Treiber gelten enge Fruchtfolgen mit hohem Wintergetreideanteil, frühe Saattermine, reduzierte Bodenbearbeitung ohne angepasstes Stoppelmanagement sowie der wiederholte Einsatz gleicher Wirkstoffgruppen. Hoher Ungrasbesatz verstärkt diesen Selektionsdruck zusätzlich.
Solange resistente Samen in der Samenbank vorhanden sind, bleiben Resistenzen im System erhalten, selbst wenn bestimmte Herbizide über mehrere Jahre nicht eingesetzt werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit langfristig angelegter, ackerbaulich orientierter Strategien.
Integrierte Bekämpfungsstrategien
Eine nachhaltige Bekämpfung des Acker-Fuchsschwanzes kann nicht allein auf chemischen Maßnahmen beruhen. Vielmehr ist ein integriertes System erforderlich, das vorbeugende, mechanische und chemische Elemente sinnvoll kombiniert. Die Fruchtfolgegestaltung stellt dabei den wichtigsten Hebel dar. Der Einbau von Sommerungen unterbricht den herbstlichen Lebenszyklus des Acker-Fuchsschwanzes, ermöglicht intensive Stoppel und Vorauflaufmaßnahmen und führt innerhalb weniger Jahre zu einer deutlichen Reduktion der Samenbank.
Ein angepasstes Saatzeitmanagement ist ebenfalls von zentraler Bedeutung. Frühe Saaten begünstigen den Herbstauflauf des Acker-Fuchsschwanzes erheblich. Spätsaaten, insbesondere im Winterweizen, reduzieren den Auflauf, führen zu kleineren Pflanzen und erhöhen die Winterverluste. Voraussetzung ist jedoch, dass zuvor konsequent aufgelaufene Pflanzen beseitigt wurden.
Mechanische Maßnahmen entfalten ihre Wirkung vor allem im Stoppelmanagement. Ziel ist es, Samen zum Keimen zu bringen, ohne sie tief zu vergraben. Eine ungestörte Stoppelphase von mindestens zehn bis vierzehn Tagen, gefolgt von sehr flacher Bodenbearbeitung, ermöglicht das „Abfischen“ mehrerer Keimwellen. Der Pflugeinsatz kann bei hohem Samenbesatz sinnvoll sein, sollte jedoch gezielt und nicht routinemäßig erfolgen.
Schäden durch Acker Fuchsschwanz im Getreide
Der Acker Fuchsschwanz (Alopecurus myosuroides) zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten Ungräsern im Getreideanbau. Sein Schadpotenzial resultiert nicht nur aus der direkten Konkurrenz zur Kulturpflanze, sondern vor allem aus seiner Fähigkeit, sich rasch zu vermehren, langfristig im Boden zu etablieren und damit ganze Fruchtfolgen nachhaltig zu destabilisieren.
Direkte Schäden – Ertragsverluste und Bestandesbeeinträchtigung
Acker Fuchsschwanz ist im Herbst wie im Frühjahr ein äußerst konkurrenzstarker Gegenspieler des Getreides. Bereits bei mittleren Befallsdichten kommt es zu messbaren Ertragseinbußen. Feldversuche zeigen, dass 100 Acker Fuchsschwanz Ähren je Quadratmeter im Winterweizen Ertragsverluste von etwa 3 bis 5 dt/ha verursachen. Steigt der Besatz weiter an, verschärft sich die Schadwirkung deutlich: Bei rund 200 Pflanzen pro Quadratmeter sind Mindererträge von etwa 15 % zu erwarten, während Befallsdichten von 500 bis 1.000 ährentragenden Halmen je Quadratmeter Ertragsverluste von 30 bis 50 % nach sich ziehen können.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass Acker Fuchsschwanz nicht nur ein Randproblem einzelner Nester darstellt, sondern bei unzureichender Kontrolle den wirtschaftlichen Ertrag ganzer Schläge massiv gefährdet. In unbehandelten Beständen wurden unter deutschen Anbaubedingungen wiederholt Besatzdichten von über 1.000 Ähren pro Quadratmeter beobachtet – ein Niveau, bei dem ein rentabler Getreideanbau kaum noch möglich ist.
Neben der direkten Ertragsminderung wirkt sich der Acker Fuchsschwanz negativ auf die Bestandesstruktur aus. Durch seine starke Bestockungsfähigkeit nutzt er Bestandeslücken konsequent aus, verdrängt die Kultur lokal vollständig und führt zu ungleichmäßigen, instabilen Beständen. Die Folge sind eine reduzierte Kornfüllung, erhöhte Ertragsschwankungen innerhalb des Schlages und eine insgesamt schlechtere Bestandesqualität.
Lager- und Krankheitsrisiken
Ein starker Acker Fuchsschwanz Besatz erhöht zudem die Lageranfälligkeit von Getreidebeständen. Die zusätzliche Biomasse, insbesondere bei gleichzeitig hoher Stickstoffversorgung, verschiebt den Schwerpunkt des Bestandes und begünstigt das Umknicken der Halme. Lager wiederum verstärkt die Ertragsverluste, erschwert die Ernte und verschlechtert die Kornqualität.
Darüber hinaus fungiert der Acker Fuchsschwanz als Wirtspflanze für verschiedene Getreidekrankheiten. Besonders relevant ist seine Rolle bei der Förderung von Mehltau sowie seine Bedeutung als einer der wichtigsten Wirte für Mutterkorn. Das Auftreten von Mutterkorn stellt nicht nur ein Ertrags-, sondern vor allem ein erhebliches Qualitäts- und Vermarktungsrisiko dar, da bereits geringe Besätze zur Überschreitung gesetzlicher Grenzwerte führen können.
Indirekte Schäden – langfristige Auswirkungen auf die Fruchtfolge
Die vielleicht gravierendsten Schäden durch Acker Fuchsschwanz sind langfristiger Natur. Wird der Befall nicht konsequent und ausreichend bekämpft, kommt es zu einem massiven Aufbau der Samenbank im Boden. Jede nicht kontrollierte Pflanze trägt mit mehreren hundert Samen zur weiteren Verschärfung der Situation bei. Die Folge ist ein sich selbst verstärkender Prozess: steigender Befallsdruck, zunehmender Bekämpfungsaufwand und wachsende Abhängigkeit von immer komplexeren Herbizidstrategien.
Gleichzeitig breitet sich der Acker Fuchsschwanz durch Erntetechnik, Bodenbearbeitung und Saatgutverschleppung auf bislang unbelastete Flächen aus. In Regionen mit starkem Befallsdruck sind heute bereits Flächen zu finden, auf denen der Anbau von Winterweizen nur noch mit hohem Risiko oder gar nicht mehr wirtschaftlich möglich ist.
Ungräser in Deutschland
Der Ungrasdruck durch Acker-Fuchsschwanz sowie Deutsches und Welsches Weidelgras nimmt zu. Die Karten zeigen, wo Handlungsbedarf besteht. Integrierte Maßnahmen wie Fruchtfolge, Sortenwahl und mechanisch-chemische Bekämpfung sind entscheidend, um Ertragsverluste zu vermeiden.